KI für bessere Texte: E-Mails, Bewerbungen und mehr
Du sitzt vor einer leeren E-Mail und findest nicht die richtigen Worte? Lerne, wie KI dir beim Schreiben hilft — von der Beschwerde bis zur Bewerbung.
Wie du ChatGPT & Co. als Schreibassistent nutzt — inklusive DSGVO-Tipps
Kennst du das? Du sitzt vor einer E-Mail und starrst auf den blinkenden Cursor. Eine Beschwerde an den Internetanbieter, eine Bewerbung für den Traumjob, oder einfach eine Nachricht an die Hausverwaltung, die freundlich aber bestimmt klingen soll. Du weißt, was du sagen willst — aber die richtigen Worte kommen einfach nicht.
Genau hier kann KI dir helfen. Nicht als Ersatz für deine eigenen Gedanken, sondern als Schreibassistent, der dir einen guten Entwurf liefert, den du dann anpasst. In diesem Artikel zeige ich dir, wie das in der Praxis funktioniert — und worauf du beim Datenschutz unbedingt achten solltest.
Wie KI dir beim Schreiben hilft
KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Gemini sind im Kern Sprachmodelle. Das bedeutet: Sie sind extrem gut darin, Texte zu verstehen und zu formulieren. Du beschreibst in eigenen Worten, was du schreiben möchtest (das nennt man einen "Prompt", also eine Anweisung), und die KI erstellt dir einen Entwurf.
Das Ergebnis ist kein perfekter Text, den du blind übernehmen solltest. Aber es ist ein solider Startpunkt, den du viel schneller bearbeiten kannst als eine leere Seite. Stell dir die KI wie einen fleißigen Praktikanten vor: Er liefert einen brauchbaren ersten Entwurf, aber du entscheidest, was drin bleibt und was nicht.
E-Mails schreiben mit KI: Praktische Beispiele
Schauen wir uns konkrete Situationen an, in denen KI dir sofort helfen kann:
Beschwerde schreiben
Dein Paket kam beschädigt an und du willst dich beim Händler beschweren — sachlich, aber bestimmt. Probiere diesen Prompt:
Schreibe eine höfliche aber bestimmte Beschwerde-E-Mail.
Situation: Ich habe am 25. März ein Bücherregal bestellt (Bestellnr. 12345).
Es kam am 30. März an, aber zwei Seitenteile sind zerkratzt.
Ich möchte einen Ersatz oder eine Teilerstattung.
Ton: Freundlich, sachlich, aber klar in der Forderung.
Länge: Kurz und auf den Punkt.Je konkreter du die Situation beschreibst, desto besser wird das Ergebnis. Nenne immer: Was ist passiert? Was willst du erreichen? Welchen Ton soll die E-Mail haben?
Schwierige Nachricht formulieren
Manchmal sind es die zwischenmenschlichen Nachrichten, die am schwersten fallen. Einem Freund absagen, eine Mieterhöhung ansprechen, oder auf eine unfaire Bewertung antworten. Hier ein Beispiel:
Hilf mir, eine freundliche Absage zu formulieren.
Situation: Ein Freund hat mich zu seinem Geburtstag eingeladen,
aber ich kann leider nicht kommen weil ich an dem Wochenende
bereits andere Pläne habe.
Ich möchte ehrlich sein, ohne dass es sich wie eine Ausrede anhört.
Vielleicht ein Alternativvorschlag für ein Treffen unter der Woche.Geschäftliche E-Mail auf Englisch
Besonders praktisch: KI kann dir helfen, E-Mails in Sprachen zu schreiben, in denen du dich nicht hundertprozentig sicher fühlst.
Schreibe eine professionelle E-Mail auf Englisch.
Situation: Ich möchte bei einem Hotel in London nachfragen,
ob unser Zimmer vom 15.-18. Juli ein ruhiges Zimmer zum
Innenhof sein kann. Wir reisen mit einem Kleinkind.
Ton: Höflich, nicht zu förmlich.Bewerbungen mit KI-Unterstützung
Bei Bewerbungen kann KI ein echter Gamechanger sein. Aber Achtung: Es geht nicht darum, die KI die komplette Bewerbung schreiben zu lassen — das merken Personaler schnell, und es klingt austauschbar. Stattdessen nutzt du KI gezielt für einzelne Schritte:
- Stellenanzeige analysieren: Lass die KI die wichtigsten Anforderungen zusammenfassen
- Anschreiben-Entwurf: Gib deine Erfahrungen und die Stelle als Kontext, lass einen Entwurf erstellen
- Feinschliff: Lass die KI deinen eigenen Text verbessern — Formulierungen schärfen, Tippfehler finden
- Lebenslauf-Beschreibungen: Lass Stichpunkte zu deinen bisherigen Tätigkeiten prägnanter formulieren
Hier ein konkreter Prompt für den Anschreiben-Entwurf:
Schreibe ein Anschreiben für folgende Stelle:
[Kopiere hier die Stellenanzeige rein]
Meine relevanten Erfahrungen:
- 3 Jahre Erfahrung im Einzelhandel
- Teamleitung von 5 Mitarbeitern
- Weiterbildung in Kundenberatung
Wichtig: Das Anschreiben soll authentisch klingen,
nicht wie von einer KI geschrieben. Maximal eine Seite.
Betone meine praktische Erfahrung und Teamfähigkeit.Lies das Ergebnis immer gründlich durch und passe es mit deinen eigenen Worten an! Ein KI-generiertes Anschreiben, das du 1:1 übernimmst, wirkt oft generisch. Deine persönliche Note macht den Unterschied.
Texte verbessern statt neu schreiben
Eine meiner liebsten Anwendungen: Du hast schon einen Text geschrieben, bist aber nicht zufrieden. Statt neu anzufangen, lass die KI deinen Text überarbeiten:
Verbessere diesen Text. Mach ihn klarer und kürzer,
aber behalte meinen Stil bei:
[Füge deinen Text hier ein]
Bitte erkläre kurz, was du geändert hast und warum.Der Zusatz "erkläre kurz, was du geändert hast" ist Gold wert: So lernst du mit der Zeit, was gute Texte ausmacht, und wirst selbst besser.
- "Kürze diesen Text auf die Hälfte, ohne wichtige Infos zu verlieren"
- "Formuliere diesen Absatz freundlicher"
- "Prüfe diesen Text auf Rechtschreib- und Grammatikfehler"
- "Schreibe diese Stichpunkte als Fließtext"
- "Mach diesen technischen Text verständlich für Laien"
DSGVO und Datenschutz: Was du unbedingt wissen musst
Jetzt wird es wichtig: Wenn du KI zum Schreiben nutzt, gibst du Informationen an den KI-Anbieter weiter. Und da greift die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) — das EU-Gesetz, das regelt, wie mit persönlichen Daten umgegangen werden muss.
Was du NICHT in eine KI eingeben solltest
- Vollständige Namen, Adressen oder Geburtsdaten anderer Personen
- Gesundheitsdaten (z.B. "Mein Kollege Max Müller ist seit 3 Wochen krankgeschrieben")
- Finanzielle Details anderer Menschen (Gehälter, Schulden)
- Vertrauliche Geschäftsinformationen deines Arbeitgebers
- Passwörter, Zugangsdaten oder Vertragsnummern
Gib niemals personenbezogene Daten Dritter in eine KI ein. Das betrifft alles, was eine andere Person identifizierbar macht: Name + Kontext reicht oft schon aus. Nutze stattdessen Platzhalter wie "[Name]" oder "mein Kollege".
So schützt du deine eigenen Daten
- Prüfe in den Einstellungen, ob deine Chats zum Training verwendet werden — bei ChatGPT kannst du das unter "Data Controls" abschalten
- Claude von Anthropic verwendet Chats standardmäßig nicht für Training — ein Vorteil in Sachen Datenschutz
- Google Gemini kann Daten für Produktverbesserungen nutzen — auch hier gibt es Einstellungen zum Deaktivieren
- Nutze für sensible Texte wenn möglich die kostenpflichtige Version, da Geschäftsbedingungen dort oft datenschutzfreundlicher sind
Was die DSGVO konkret bedeutet
Die DSGVO gibt dir als EU-Bürger starke Rechte: Du kannst bei jedem KI-Anbieter erfragen, welche Daten über dich gespeichert sind, und deren Löschung verlangen. Außerdem müssen die Anbieter transparent machen, was mit deinen Eingaben passiert.
In der Praxis heißt das: Alle großen KI-Anbieter (OpenAI, Anthropic, Google) haben ihre Dienste an die DSGVO angepasst — aber wie gut, variiert. Wenn du tiefer ins Thema einsteigen möchtest, empfehle ich den ausführlichen Artikel zu KI und Datenschutz im Unternehmenskontext auf coding9.de/blog.
Keine Namen Dritter eingeben. Keine Gesundheits- oder Finanzdaten. Training-Funktion in den Einstellungen prüfen. Für sensible Texte die bezahlte Version nutzen. Im Zweifel: Anonymisiere alle Daten bevor du sie eintippst.
Die besten Tipps für gute Ergebnisse
Zum Schluss noch ein paar Tipps, die den Unterschied zwischen "naja" und "wow" machen:
- Gib Kontext: Wer bist du, an wen schreibst du, was ist die Situation?
- Nenne den gewünschten Ton: "Freundlich", "sachlich", "locker", "förmlich"
- Definiere die Länge: "Maximal 5 Sätze" oder "eine halbe Seite"
- Iteriere: Wenn der erste Entwurf nicht passt, sag der KI was du ändern möchtest — z.B. "Mach den Einstieg persönlicher" oder "Kürze den mittleren Absatz"
- Mach es zu deinem Text: Lies das Ergebnis laut vor. Klingt es nach dir? Wenn nicht, passe es an.
Fazit: KI als Schreibpartner, nicht als Ghostwriter
KI-Tools sind fantastische Schreibassistenten — sie helfen dir über die leere Seite hinweg, verbessern deine Formulierungen und sparen dir Zeit. Aber die besten Texte entstehen, wenn du KI als Startpunkt nutzt und dann deine eigene Stimme einbringst.
Probier es gleich aus: Öffne ChatGPT oder Claude, nimm eine E-Mail die du schon länger vor dir herschiebst, und beschreibe der KI was du sagen möchtest. Du wirst überrascht sein, wie viel leichter das Schreiben plötzlich fällt.
Und denk immer dran: Keine persönlichen Daten anderer Leute eingeben, das Ergebnis immer selbst prüfen — und dann ab die Post!